Standesamt: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen jetzt heiraten

Seit einer Woche dürfen in Deutschland auch zwei Männer oder zwei Frauen genauso heiraten, wie es Mann und Frau seit alters her vorbehalten war. Im Augsburger Standesamt haben in der ersten Woche bereits zwei Paare diese Möglichkeit einer Eheschließung genutzt

Jahrelang haben sie für diesen letzten Schritt hin zur Gleichberechtigung gekämpft, die in gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften lebenden Paare in Deutschland. Doch in der Politik wollten so manche diesen Weg nicht freigeben. Bis es Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst war, die quasi beiläufig auf der Podiumsveranstaltung einer Frauenzeitschrift den Widerstand brach. Die Sache ging zur (erfolgreichen) Abstimmung in den Bundestag und erlangte zum 1. Oktober Gesetzeskraft. Seit Anfang des Monats dürfen also gleichgeschlechtliche Paare standesamtlich heiraten. Auch rechtlich sind sich die Paare Mann und Frau praktisch gleichgestellt – etwa beim  Adoptionsrecht von Kindern. Karl Krömer, Leiter des Augsburger Standesamtes, unterscheidet in der Sache zwei Gruppen von Standesamts-Besuchern. So die  gleichgeschlechtlichen Paare, die erstmals heiraten. Für sie heißt der Familienstand nunmehr „verheiratet“ statt wie zuvor „Lebenspartnerschaft“. Von den rund 1250 Eheschließungen, die durchschnittlich pro Jahr in Augsburgs Standesamt geschlossen werden, entfallen etwa 20 auf gleichgeschlechtliche Paare.Quasi ein zweites Mal standesamtlich heiraten können jetzt sogenannte „Umwandler“. Das sind Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, die bereits länger verheiratet sind.

„Amtliche Bindung“ Homosexueller Paare bereits seit 2001 möglich

Schon seit 2001, so erklärt Krömer, können gleichgeschlechtliche Paare sich in Deutschland amtlich binden. In Bayern war dies bis 2008 zunächst nur bei Notaren möglich, dann ging es bei den Standesämtern weiter. All diese Lebenspartnerschaften können jetzt ihren Bund in eine Ehe umwandeln, indem sie vor dem Standesbeamten noch einmal heiraten. Niemand müsse das tun, so Krömer, und niemand müsse das gleich tun. Die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe sei ohne Frist jederzeit möglich. Standesamtschef Krömer hatte am Mittwoch die ersten beiden „Umwandler-Paare“ im Trauungszimmer des Amtes zu Gast. Jeweils zwei Männer waren es, die jetzt auch amtlich eine Ehe führen. Noch nicht so weit wie in Augsburg ist man in manchen Städten im Umland. Kein Wunder, ist dort doch die Zahl der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften deutlich niedriger.

Eine bis drei pro Jahr sind es laut Frank Büschel, Sprecher der Stadt Friedberg. Dort gebe es aktuell zwei Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren für Eheschließungen. Genau so sieht es in der Stadt Königsbrunn aus, berichtet Simone Specht aus dem dortigen Standesamt.