Warnstreiks am Klinikum Augsburg: 100 OPs gestrichen

Wenn am Dienstag und Mittwoch das Klinikum Augsburg wieder von Warnstreiks betroffen ist, kann das dramatische Folgen haben. Laut Vorstand müssen allein rund 100 Operationen  ausfallen. Nicht nur deshalb stößt das Ansinnen der Gewerkschaft ver.di dort auf Unverständnis, zumal man sich auch in der Klinik-Chefetage einig ist, dass die inhaltlichen Forderungen nach einer vernünftigen Pflege-Personaldecke richtig sind.

 Beklagt wird nämlich u.a. von der Deutschen Stiftung Patientenschutz, dass in den letzten 25 Jahren die Zahl der Pflegekräfte trotz steigender Anforderungen sogar gesunken ist. Im Vergleich: Bei den Ärzten beträgt die Zunahme im selben Zeitraum 66 Prozent, in Bayern fast 90 Prozent.

Einsatz für mehr Pflegepersonal

Für mehr Pflegepersonal setzt sich auch Augsburgs Klinikumsleitung mit Alexander Schmidtke an der Spitze ein. Allerdings müsse es dazu die entsprechende Gegenfinanzierung durch die Kostenträger geben. „Denn auch Kliniken sind zum wirtschaftlichen, nicht gewinnorientierten Handeln angehalten“, so Schmidtke.Der Klinikums-Vorstand kritisiert den Streik nicht inhaltlich. Aus dem Ruder gelaufen sei aber das Streikverhalten von ver.di. So wurde z.B. die übliche sechstägige Meldefrist nicht eingehalten. Noch prekärer sei, dass, obwohl die Aufforderung zum Abschluss eines Entlastungstarifvertrages an 20 Kliniken in Deutschland ging, man sich jetzt  mit Warnstreiks nur noch auf die Kliniken in Augsburg und Günzburg konzentriere. Dabei sei das Augsburger Klinikum nicht berechtigt, einen Haustarifvertrag abzuschließen, da ver.dis Vertragspartner der Kommunale Arbeitgeberverband sei. Dieser habe bis dato von ver.di keine Aufforderung zur Verhandlung  erhalten.Der Schaden, den ver.di anrichte, sei immens: Bettensperrungen und Einschränkungen für die Patienten drohten genauso wie die komplette Schließung von Abteilungen. Auf mindestens sechs Stationen würde laut Ankündigung entweder kein oder nur eingeschränkt Personal zur Patientenversorgung zur Verfügung stehen.Durch die im Wesentlichen auf das Augsburger Klinikum beschränkten Streikaktivitäten fürchtet man hier eine „nachhaltige Schädigung unseres Hauses“, so Schmidtke. Das werde auch die wirtschaftliche Situation zusätzlich belastet, speziell vor dem Hintergrund einer Umwandlung zum Universitätsklinikum. Und das „Schlechtreden“ der personellen Situation führe nicht nur zu einer Verunsicherung bei den Patienten. Auch potenzielle Bewerber für eine Arbeitsstelle oder junge Menschen, die sich für einen Ausbildungsplatz in der Pflege interessieren, würden abgeschreckt. In der Konsequenz würde das nicht mehr, sondern weniger Personal bedeuten. Deshalb hat Vorstandschef Schmidtke den Kommunalen Arbeitgeberverband gebeten, umgehend die Gespräche mit ver.di aufzunehmen, um die extrem belastende Situation zu entschärfen.

Wie wichtig dem Klinikum das eigene Personal in allen Bereichen ist, macht schließlich Klinikumssprecherin Ines Lehmann deutlich. Sie verweist darauf, dass der Krankenhaus-Zweckverband und der Vorstand des Klinikums Augsburg sich in der Vergangenheit mit großem Engagement dafür eingesetzt haben, Servicebereiche wie Küche, Reinigung, Versorgung nicht out-zu-sourcen bzw. an Drittfirmen zu vergeben, sondern  im Tarifverbund des öffentlichen Dienstes zu belassen.