Rückstand zweimal egalisiert: FCA mit Moral

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Sich ärgern oder sich freuen? So ganz wusste FCA-Trainer Manuel Baum selbst nicht, was er mit dem Punkt bei der TSG Hoffenheim anfangen sollte. „Ich bin froh über das Ergebnis, nicht aber über die zweite Halbzeit. Da waren die Abstände zu groß, die in der ersten Hälfte noch gestimmt haben“, ging der 38-Jährige sogleich in die Analyse.

 Tatsächlich bot der FCA in den ersten 45 Minute eine taktisch kluge Leistung auf, hätte durch eine Top-Möglichkeit von Alfred Finnbogason sogar in Führung gehen müssen, doch der Isländer traf nur den Pfosten.In der zweiten Halbzeit zeigte aber Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann, warum er auf der Liste der Bayern steht. Er stimmte seine Mannschaft auf das Augsburger Abwehrverhalten ein, nahm ein paar Veränderungen vor und so kam die TSG zu vielen hochkarätigen Möglichkeiten. Eine davon nutzte Benjamin Hübner – es war das 300. Gegentor des FCA in der Bundesliga-Geschichte. Doch auch Manuel Baum versteht etwas von seinem Handwerk: Den müde wirkenden Finnbogason wechselte er schon in der 66. Minute aus, Michael Gregoritsch kam und der erzielte neun Minuten später das 1:1. „Das war ein herrlich herausgespieltes Tor. Da hat alles gestimmt“, freute sich Manager Stefan Reuter.

Baum: Mannschaft merkt, dass wir jeden schlagen können

„Wichtig ist, dass die Mannschaft merkt, dass wir jeden schlagen können und so gehen wir das auch an. Deswegen wollten wir nach dem 1:1 nicht auf verwalten spielen, sondern den Gegner weiterhin hoch angehen“, erklärte Baum die weitere Marschroute. Doch zunächst sah es so aus, als ob dieses Risiko nicht belohnt werden sollte. Fünf Minuten vor Ende ging Hoffenheim erneut in Führung. Dieses Mal durch Mark Uth. Doch Augsburg bewies Moral und kam in der 90. Minute zum den viel umjubelten Ausgleich. Jeffrey Gouweleeuw suchte eigentlich die Mitspieler im Rückraum doch die Flanke gelang über Kevin Vogts Bauch ins Hoffenheim-Tor zum 2:2-Ausgleich. Ein klassisches Eigentor, oder? „Ich sage mein Tor“, lachte der Niederländer Gouweleeuw. „Aber letztlich ist es auch egal. 2:2 ist ein gerechtes Ergebnis. Hoffenheim war der starke Gegner. Auf dem Platz ist unsere Taktik zunächst aufgegangen, dann wurde es schwieriger, aber wir haben uns für eine gute Leistung belohnt. Unser Trainer hat jede Woche einen guten Plan, taktisch sind wir sehr stark. Zum absoluten Spitzenteam fehlt vielleicht noch eine perfekte Chancenverwertung. Aber wir sind auf einem guten Weg!“Und dieser Weg kann in dieser Spielzeit richtig weit gehen. Wie weit? Marcel Heller blickt erwartungsfroh in die Zukunft: „Wir hatten heuer noch nie ein richtig schlechtes Spiel, sondern haben immer als Mannschaft funktioniert. Die Taktik, die wir mitbekommen, wird immer umgesetzt. Wir dürfen aber nicht locker lassen, sondern müssen immer versuchen, eine Schippe drauf zu legen. Zu was es dann am Ende reichen wird, wird man sehen.“

Verletzungspech bei den Internationalen

Also eitler Sonnenschein? Nicht ganz, denn die Länderspielreise einiger Profis zollt ihren Tribut. Konstantinos Stafylidis war vor der Partie ebenso angeschlagen wie Dong-Won Ji, schlimmer hat es Sergio Cordova erwischt. Der Venezuelaner fällt mit einem Bänderriss im Sprunggelenk mehrere Wochen aus.Als Sturm-Alternative nahm Manuel Baum daher Marco Richter mit und setzte den 19-Jährigen auch gleich ein. Er ist der nächste Debütant aus dem eigenen Nachwuchs. „Ich freue mich riesig für ihn, dass er das Debüt bekommen hat und mit einem Punkt belohnt wurde. Das ist gut für das Gefühl. Er hat super trainiert, auch in der zweiten Mannschaft seine Tore gemacht. Es war eine mutige Einwechslung, aber ein, die Sinn ergab“, befand Stefan Reuter.Apropos Manager: Der machte sich nach der Partie auf den Weg zur Familie, um dort doppelt zu feiern: Heute hat sein Vater Geburtstag, am Montag feiert Reuter sein 51. Wiegenfest. Und mit dem Punkt aus Hoffenheim lässt es sich doch schöner zelebrieren