Pater Joshy wird Vater und muss gehen

Ärger in der Pfarrgemeinde im Fuchstal: Das sagt das Bistum Augsburg

Verstoß gegen den Zölibat

Kaplan muss gehen, weil er Vater wird! So titelte die Augsburger Allgemeine über einen Vorgang in Fuchstal, im Kreis Landsberg, der im Netz für unglaubliche Empörung sorgt. Online ist nämlich die Rede von mittelalterlichem Denken, von nicht mehr zeitgemäßen Vorstellungen und einer Scheinheiligkeit seitens der Kirche. Vereinzelt finden sich aber auch Stimmen, die das Verhalten des Paters verurteilen und auf das Versprechen der katholischen Kirche zu dienen pochen. In einem Kommentar heißt es „Priester sein ist kein Job, sondern eine Berufung.“

Was war geschehen? Joshy Augustine war gut ein Jahr Kaplan in Fuchstal im Kreis Landsberg, ehe er die Pfarrgemeinde verlassen musste. Warum? Weil Pater Joshy Vater wird! Die werdende Mutter ist die Gemeindereferentin Elisabeth H., die von der Diözese Augsburg ebenfalls freigestellt wurde. Rausschmiss wegen Familienfreuden? Auf SoPress-Nachfrage reagierte das Bistum Augsburg mit dieser Stellungnahme: „Zunächst einmal ist es unsererseits wichtig, dem Kaplan und der Gemeindereferentin in ihrer Situation zur Seite zu stehen, die beide bislang sehr gute Arbeit geleistet haben. Es ist nicht richtig, dass sie suspendiert wurden oder ihnen gekündigt wurde. Sie wurden zunächst vielmehr von ihren Aufgaben freigestellt, um sich in aller Ruhe Gedanken über ihre weitere persönliche Zukunft machen zu können. Insbesondere betrifft dies auch die Frage, inwieweit der Kaplan zu seinem Gelübde stehen wird, das er als Ordensmann abgelegt hat. Uns ist es ein wichtiges Anliegen und eine herzliche Bitte auch an die Gläubigen, die beiden in dieser Phase der Entscheidungsfindung intensiv im Gebet zu begleiten. Alles weitere wird sich dann zu gegebener Zeit zeigen und wird dann besprochen werden.“

Wie es heißt, befinde sich Augustine derzeit im Kloster Windberg in Niederbayern. Wo sich die werdende Mutter aufhält, ist derzeit nicht bekannt. Der Inder galt in der Gemeinde als beliebt und unterstützte seit September 2016 Dekan Oliver Grimm in der Gemeinde.

Augustine stammt aus Indien, genauer gesagt aus der Region Kerala. Dort, so Augustine bei seiner Begrüßung im örtlichen Pfarrbrief, „wurde ich geprägt von einer langen, christlichen Tradition.“ Aufgewachsen mit zwei Brüdern und drei Schwestern schloss er sich 1991 dem Orden der Prämonstratenser an. Am 6. Juni 2002 legte Augustine sein Ordensgelübde ab, einen Tag später wurde er zum Dekan geweiht. Bis 2015 verbreitete er die christlichen Werte in Indien, ehe er nach Deutschland kam. Bei St. Anton in Augsburg verbrachte er ein Jahr, arbeitete sich dort ein und ging in eine Sprachschule. Zeitgleich machte er auch seinen Führerschein. Als erste Kaplanstelle wechselte er ein Jahr später in die Pfarrgemeinschaft Fuchstal und lernte da auch die Gemeindereferentin kennen. „Ich freue mich über die netten Leute und die schöne Landschaft, aber auch über die gute Zusammenarbeit“, kündigte er in seinem ersten Schreiben an. Fortan unterstützte Augustine Dekan Grimm bei sämtlichen Arbeiten wie Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Pater Joshy galt bei Jung und Alt stets als beliebt. Dass er und die Gemeindereferentin eine Beziehung führte, war ein offenes Geheimnis, anstößig sei dies aber nie gewesen.

Die eigentlich frohe Botschaft entzürnt das Bistum. Weitere Nachfragen werden nicht gestattet, heißt es auf nochmaliger Anfrage seitens unserer Zeitung. Hat das Bistum überreagiert? Sind die katholischen Regeln so streng? Ist das christliche Glück höher anzusehen als das Glück einer noch jungen Familie?

In einem Interview mit dem AUGSBURG JOURNAL erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands Heinrich Bedford-Strohm: „Ein Mensch, der ein bewusstes und bedingungsloses Ja zu einem anderem sagt und dafür den Segen Gottes erbittet, dem sollte dieser Segen nicht verwehrt werden.“

Und wie geht es nun für die Pfarrgemeinde Fuchstal weiter? „Es wird wieder einen Kaplan geben“, erklärt Doktor Karl-Georg Michel aus dem Bistum. Wer dies sein wird, stehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht fest. „Die Erzabtei St. Ottilien hat signalisiert, dass ein Pater von dort bis zum Sommer 2018 die Stelle übernehmen wird.“

Welche Zukunft Joshy Augustin und seine Lebensgefährtin vor sich haben, ist unklar. Seinen ersten Pfarrbrief endete der Verstoßene mit den Worten. „Zum Schluss bitte ich um Ihre Unterstützung und Ihr Gebet.“