Sportlerehrung - Starke Leistungen werden nicht honoriert

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Weltspitze, aber in Augsburg werden Spitzensportler nicht geehrt. Sportbeirat-Vorstand Heinz Krötz erklärt warum.

Weltspitze, aber keine Ehrung

Stellen Sie sich vor, Sie werden Weltmeister in Ihrer Sportart, doch zurück in Augsburg, also Ihrer Heimatstadt, werden Sie für die erbrachte Leistung nicht gewürdigt. Klingt komisch? Ist aber so! 2017 haben unter anderem Alexander Grimm, Tina Rupprecht und Cheyenne Hanson international für Furore gesorgt, weil ihre Sportarten aber nicht den Konventionen des Deutschen Sporbundes entsprechen, dürfen (und werden) sie auch auf der kommenden Sportlergala der Stadt Augsburg nicht geehrt.


Kanute Alexander Grimm holte bei der diesjährigen adidas Sickline Extremkajak-Weltmeisterschaft zwar die Bronzemedaille, der Amtsvorschlag, ob eine Ehrung befürwortet werden soll, wurde vom Augsburger Sportbeirat allerdings abgelehnt. Auch die beiden Kampfsportlerinnen Tina Rupprecht und Cheyenne Hanson werden nicht geehrt, weil ihre jeweiligen Sportverbände keine Mitgliedorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind. Dabei holte Rupprecht 2017 gleich zwei Weltmeistertitel: Einmal den Interimstitel der IBO und – vor kurzem – den der WBC. Bei Hanson ist der Fall ähnlich, sowohl ihre Titel der Sportverbände ISKA und der WKU entsprechen nicht den Richtlinien für eine Ehrung.
„Wir sind uns darüber im Klaren“, erklärt Sportbeiratsvorsitzender Heinz Krötz. „Aber wir bitten auch um Verständnis, dass wir einen gewissen Rahmen einhalten müssen. Die Voraussetzungen, dass Sportler von der Stadt geehrt werden, müssen einfach erfüllt werden.“


Und diese Voraussetzungen bestehen schon seit über 15 Jahren. Doch gemeinsam mit seinen Kollegen des Sporbeirats gibt Krötz zu, dass es hier und da wenig nachvollziehbar sei, warum manche Sportler von der Stadt Augsburg nicht geehrt werden. Nikki Adler feierte beispielsweise seit Jahren Titel um Titel, wurde auch mehrfach von den hiesigen Sportjournalisten zu Augsburgs Sportlerin des Jahres gewählt, doch von der Stadt selbst wurde sie noch nie geehrt, da durch ihren Status als Profiboxerin, die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt wurden. Der DOSB unterstützt nämlich nur das Amateurboxen... Immerhin wird man sich im Januar 2018 innerhalb der Stadt zusammensetzen und das Thema in einem Ausschuss erörtern. Allerdings, so gibt Krötz zu, fehlt derzeit die Grundlage einer neuen Bewertung und so lange es keine bessere gibt, wird an der alten festgehalten.


Man stelle sich vor, sämtliche Athleten, die in einem Jahr herausragende Leistungen vollbracht haben, würden bei der alljährlich stattfindenden Sportlerehrung der Stadt Augsburg eine entsprechende Ehrung zu teil, dann würde die Veranstaltung nicht vier, sondern 14 Stunden dauern. Insofern ist dieser Rahmen durchaus angebracht. Krötz äußert sich daher diplomatisch auf SoPress-Nachfrage: „Ich habe allerhöchsten Respekt vor den Leistungen der Sportler, aber nochmals: Wir sind an die Vorgaben des DOSB gebunden.“
Und so werden heuer für ihre Erfolge nur eine handvoll Sportler geehrt: Die SoPress kennt schon jetzt die Gewinner. Es sind Christoph Dehnert, Florian Fahle, Gabriel Lutzenberger, Yanni Machnik, Bastian Schiffler und Hannes Schön, die allesamt mit dem TV Augsburg im Faustball U18 Deutscher Turnfestsieger wurden. Auch Vanessa Muschik, Anna-Lena Niewolik und Nadine Schattner vom AEV werden geehrt, weil sie mit der Frauenbundesligamannschaft des ECDC Memmingen den DEB Fraueneishockey-Pokal holten und den EWHL Supercup gewannen und Hannes Aigner (Silber beim Deutschland-Cup).


Alex Grimm ist einer der Sportler, deren Ehrung abgelehnt wurde. Er äußerte sich auf SoPress-Nachfrage überrascht, ist sich der Thematik aber durchaus bewusst: „Die Diskussion gab es schon, als ich 2009 die Sickline-WM gewann. Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen, aber die Veranstaltung war international besetzt. Es gab 150 Top-Sportler und das Niveau war sehr hoch. Vielleicht ist man da ein bisschen unflexibel und man müsste mit der Zeit gehen.“ Als weiteres Beispiel nennt Grimm die Serien an Red Bull-Veranstaltungen, die zwar internationales Format haben, aber eben keine offiziellen Weltmeisterschaften sind. Trotzdem seien sie für Sportler ein Saison-Highlight.
Übrigens: Ganz leer ausgehen müssen die genannten – und nicht geehrten – Sportler nicht. Denn im Rahmen der Sportlehrung der Stadt Augsburg findet im Anschluss die Ehrung zu Augsburgs Sportlern des Jahres statt. Hier wählen Sportjournalisten des Vereins Augsburg-Allgäuer Sportpresse (VAS) die Sportlerin, den Sportler und die Mannschaft des Jahres aus. Dabei steht jeder Akteur auf der Vorschlagsliste, unabhängig von seinem Verband oder den DOSB-Vorgaben. Hier zählt nur die tatsächliche Leistung!