Wie digital ist das Handwerk?

Digitalisierung und Handwerk – passt das zusammen? Der Beantwortung dieser Frage widmete sich die Handwerkskammer für Schwaben in ihrer Jahrespressekonferenz. Kammerpräsident Hans-Peter Rauch und Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner stellten unterschiedliche Anwendungen vor. „Bei uns im Handwerk ist es kein Widerspruch, dass in einer Zimmerei modernste, digitale Technik zum Einsatz kommt und die Mitarbeiter in der traditionellen Zimmererkluft arbeiten.“ Die Digitalisierung schreite im Handwerk jedenfalls mit großen Schritten voran. Von der Verwendung digitaler Messgeräte hin zum Einsatz von Robotern über die 3D-Brille bishin zu Drohnen, die Bauschäden überprüfen.
Rechtzeitig zur Pressekonferenz hatte die HWK eine Trendumfrage bei Handwerksunternehmen durchgeführt. Auf die Frage „Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für ihr Unternehmen?“ antworteten 68 Prozent der teilnehmenden Betriebe mit hoch. 29 Prozent gaben an, dass Digitalisierung für sie eine geringe Bedeutung habe und für 3 Prozent hatte sie keine Bedeutung. Hauptgeschäftsführer Wagner sieht sich bestätigt: „Die Mehrheit der Handwerksunternehmen weiß genau, dass sie diese technologische Entwicklung nicht verpassen darf, wenn sie am Markt bestehen will. Wir haben daher für unsere Mitgliedsbetriebe ein umfangreiches Angebot, um sie bei der Umsetzung zu unterstützen.“
Doch nur der Entwicklung hinterher zu hecheln ist der HWK mit Sitz in Augsburg nicht genug, vielmehr sieht man sich als Speerspitze in Sachen Innovation und wird auch wissenschaftlich tätig. So wurde das erste umfassende bundesweite Forschungsprojekt „Handwerk Digital“ auf Initiative der HWK Schwaben auf den Weg gebracht. Als wissenschaftlicher Partner konnte das Fraunhofer IGCV gewonnen werden. Das Bayerische Wirtschaftsministerium fördert das 2,1 Millionen Euro-Projekt zu 75 Prozent.
Ein interdisziplinäres Team aus Technikern, Betriebswirtschaftlern, Marketing-Fachleuten und Juristen arbeitet mit den schwäbischen Handwerksbetrieben zusammen, um Digitalisierungsanwendungen erfolgreich zu platzieren. Die Angebote erstrecken sich über digitales Prozessmanagement, digitales Marketing, IT-Sicherheit und Datenschutz bis zu IT- und Internet-Recht. Darüber hinaus sind die HWK-Experten eng mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen vernetzt, um bei Bedarf externe Kompetenz einzubinden.
Die Investitionen in die digitale Zukunft kann aber in vielen Bereichen schwindelerregende Summen verschlingen, gerade in kleineren Betrieben sei das teilweise nur schwer darstellbar. Um so wichtiger sei es, dass hier auf staatliche Fördermittel zugegriffen werden könne. Genau aus diesem Grund würden HWK-Berater Mitgliedern aufzeigen, welche Fördermöglichkeiten es gibt und unterstützen deren Firmen bei der Antragsstellung. Wichtigstes Instrument sei hier der Digitalbonus des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Ein Viertel aller Anträge für dieses Programm kommt aus dem Handwerk. Allein in Schwaben haben über 560 Firmen diese Förderung beantragt.
Doch nicht nur die Betriebe müssen fit für die digitale Zukunft gemacht werden. Auch die HWK selbst, als größter Weiterbildungsanbieter für das Handwerk, hat ihre Angebote sowohl in Bezug auf die Kurse, wie auch die Ausstattung darauf ausgerichtet.
Neue, interaktive Medientechnik gehört in den Ausbildungsräumen zum Standard und digital gesteuerte Maschinen, wie zum Beispiel 3D-Drucker und modernste CNC-Bearbeitungszentren gehören zur Ausstattung des praktischen Unterrichts.
Zudem biete die Digitalisierung auch eine Möglichkeit, den in manchen Bereichen etwas angestaubten Ruf des Handwerks wieder aufzupolieren und einen deutlichen Schub in Sachen Attraktivität für den Nachwuchs zu bekommen. So sehe man Chancen, die dringend benötigten Fachkräfte wieder besser für sich gewinnen zu können.