Mega-Stau... und keiner weiß, warum

Nichts ging mehr. Nicht vorwärts, nicht zurück, Autos steckten ebenso fest wie Busse oder Straßenbahnen.Versuche einer Analyse

Fahrer sind selber schuld

Nichts ging mehr. Nicht vorwärts, nicht zurück, Autos steckten ebenso fest wie Busse oder Straßenbahnen. Und das Schlimmste: Auch noch Tage danach kann keiner so recht erklären, warum vergangenen Montag nahezu die gesamte Augsburger Innenstadt ein Stau war.

Josef Weber, Leiter des zuständigen Tiefbauamtes, spricht von einer Verkettung von Umständen, weist aber insbesondere bestimmten Autofahrern eine Mitschuld an Stauereignissen im Allgemeinen und am Montag im Besonderen zu. Gemeint sind diejenigen, die (bei grün) in eine Kreuzung einfahren, aus der sie dann staubedingt (bei rot) nicht mehr rechtzeitig herauskommen und die somit auch mögliche freie Straße blockieren.

Webers Beispiel: Südlich der Gögginger Brücke, wo es nach Westen in die Rosenaustraße geht. Beinahe täglich sei zu beobachten, wie Autos aus Süden kommend links in die bereits zugestaute Rosenaustraße abbögen. Dabei blockieren sie alle, die aus Norden, der Stetten- oder der Hermanstraße kommen. Schnell sei die halbe Innenstadt dicht, so Weber. Dafür seien Straßen bis nach Inningen hinaus kaum befahren. Hier gebe es eine ganz einfache Abhilfe: Dass sich nämlich jeder Autofahrer an die geltende Vorschrift halte, dass er nur dann eine Kreuzung befahre, wenn er diese auch wieder verlassen könne.

Am Stau-Montag hätten laut Webers Analyse freilich auch andere Faktoren eine Rolle gespielt. Am ersten Werktag nach den Ferien sei immer etwas mehr Verkehr unterwegs. Immer wenn – wie am Montag – das Wetter von „schön“ auf „diesig-trüb“ umschlage, werde vorsichtiger  gefahren. Über eine Kreuzung, die sonst 20 Autos schafften, kämen dann nur zehn. Und dann gibt es noch die Brücke über die Ackermannstraße. Bekanntlich wird dort seit über einem Jahr an einer neuen Wertach-Überquerung gebaut. Jetzt nähert sich die vorläufige Fertigstellung der neuen Brücke, sodass demnächst die Behelfsbrücke abgebaut werden kann. Für die verschiedenen Arbeiten werden – seit Montag – zwei der vier Fahrspuren auf der Behelfsbrücke für Bauarbeiten benötigt. Auch dies habe wohl mit zu den Stauungen geführt.

Jürgen Fergg, Sprecher der Stadtwerke, kann nicht recht bei der Fehler-Analyse des vergangenen Montags helfen. „Wir wissen nicht, warum da nichts vorangegangen ist“, stellt er fest. Zwischen 20 Minuten und einer Stunde hätten Busse und Straßenbahnen im Stau gestanden. Obwohl die Stadtwerke verschiedene Kreuzungen und Verkehrswege ihrer Busse und Bahnen per Echtzeit-Video überwachen können, konnten sie nichts an der Situation ändern. „Wir haben ja keinen Zugriff auf Ampelschaltungen“, so Fergg.

Er teilt die Meinung anderer Befragter: Solange man nicht wisse, wo das Problem lag, könne man auch nichts dagegen machen. Einen Tipp hat er freilich für alle Staugeplagten: „Nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel.“

Einer derer, die am Montag im Stau standen, war Polizei-Sprecher Michael Jakob. Ihn traf das stockende Verkehrsgeschehen als Radfahrer. Auch seitens der Polizei hatte man keine vordergründigen Ursachen für einen Dauerstau ausmachen können. Weder steckte ein Brummi in einer Unterführung fest, noch gab es eine unvorhergesehene Baustelle. Jakob spricht von einem „interessanten Phänomen.“ Ratschläge, wie man derartige Probleme verhindern könne, hat auch er nicht, „wenn man keinen Grund weiß.“